Emil Winkler – Bürgermeister der Stadt Lienz 1938 – 1945 und Zeitzeuge
Archive Foto 1940
E I N L E I T U N G
In seiner Dokumentation „Die Kosaken – Herkunft – Leben – Untergang“, die Anfang der 1970er Jahre erschien, setzte sich der ehemalige Bürgermeister der Stadt Lienz, Emil Winkler, mit der Tragödie auseinander, die sich am 1. Juni 1945 in der Peggetz ereignete, sowie mit den schwierigen Entwicklungen in den darauffolgenden Jahrzehnten.
Als Zeitzeuge und Kenner der russischen Sprache und Geschichte beschäftigte sich Winkler intensiv mit dem Schicksal der Kosaken in Lienz. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen während der sechsjährigen Kriegsgefangenschaft in Sibirien im Ersten Weltkrieg bestand für ihn eine besondere persönliche Verbindung zu Russland und seinen Menschen.
In seinen Aufzeichnungen beschreibt Winkler sowohl die historischen Hintergründe der Kosaken als auch die zunehmenden Spannungen innerhalb der Kosaken-Emigration nach 1945. Ebenso dokumentiert er die Diskussionen um den Kosakenfriedhof in der Peggetz und die geplante Errichtung einer Gedächtniskapelle. Dabei stand für ihn stets der Wunsch im Vordergrund, den Friedhof als einen Ort der Erinnerung, der Würde und des Friedens zu bewahren.
Seine persönliche Anteilnahme am Schicksal der Opfer kommt besonders in seinem Gedicht „Auf dem Kosakenfriedhof in der Peggetz bei Lienz“ zum Ausdruck, das er anlässlich der Gedenkfeier für General Helmuth von Pannwitz im Jahr 1973 vortrug. Darin finden sich Trauer um die Verstorbenen, Mitgefühl für ihr Schicksal und die Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.
Zum Verständnis der historischen Darstellung
Viele der von Emil Winkler beschriebenen Ereignisse und Auseinandersetzungen erschließen sich heutigen Leserinnen und Lesern nicht ohne Weiteres. Insbesondere die innerhalb der Kosaken-Emigration entstandenen unterschiedlichen Gruppen und ihre historischen Hintergründe sind für heutige Leser nicht ohne weiteres erkennbar. Seine Hinweise auf die „beiden Gruppen“ und sein Appell „Für Gott sind alle Menschen gleich! Alle sollen Brüder sein!“ beziehen sich auf die Verhältnisse und Gegensätze innerhalb der Kosaken-Emigration seiner Zeit.
Winklers Worte sind daher im historischen Kontext der frühen 1970er-Jahre zu verstehen. Sie waren ein Appell zur Überwindung der damaligen Gegensätze und zur gemeinsamen Erinnerung an die Toten. Die späteren Entwicklungen innerhalb der Kosaken- und orthodoxen Gemeinschaften sind davon zu unterscheiden und können nicht unmittelbar auf Winklers damalige Aussagen übertragen werden.
Die Dokumentation von Emil Winkler ist heute eine bedeutende historische Quelle, die die Wahrnehmungen und Diskussionen der Jahrzehnte nach der Tragödie widerspiegelt. Es ist jedoch zu beachten, dass Winkler bei den von ihm geschilderten Ereignissen und insbesondere bei den genannten Opferzahlen nicht behauptet, diese selbst beobachtet zu haben. Er gibt vielmehr Berichte und Überlieferungen wieder, ohne deren Urheber oder Quellen jeweils zu benennen. Die entsprechenden Angaben sind daher als zeitgenössische Wahrnehmungen und Überlieferungen zu betrachten und können nicht ohne weitere Quellen als gesicherte historische Tatsachen übernommen werden.
Nachfolgend stehen drei PDF-Dokumente zur Verfügung:
- die historische Originalfassung von Emil Winkler,
- eine neu aufbereitete Ausgabe mit ergänzenden Anmerkungen unseres Vereins, die ausgewählte historische Aussagen aus heutiger Sicht erläutern,
- sowie eine englische Übersetzung für unsere internationalen Besucher.
