Kosakenfriedhof – Lienz, Osttirol
Der Kosakenfriedhof – ein Ort der Erinnerung
Der Kosakenfriedhof in Lienz ist ein heiliger Gedenkort für jene Kosaken, die während und nach der Repatriierung im Juni 1945 ums Leben kamen.
Entgegen weit verbreiteten Angaben, wonach 300–700 Personen in einem Massengrab bestattet worden seien, zeigen historische, geografische und kirchliche Quellen, dass die Verstorbenen einzeln und nach orthodoxer Tradition beigesetzt wurden.
Zeitzeugenberichte, Archivunterlagen und Luftbilder weisen auf rund 28 Einzelgräber hin. Unter den Toten befanden sich Menschen, die durch Erschießung, Ertrinken, Erstickung oder Selbstmord ums Leben kamen. Die Lage des Friedhofs am Flussufer macht ein Massengrab zudem geologisch unwahrscheinlich.
Fehlinterpretationen propagandistischer Nachkriegsquellen führten vermutlich zur Verbreitung falscher Zahlen. Heute ist der Friedhof ein Ort stiller Erinnerung und des Gebets.
Die Gräber des Kosakenfriedhofs
Auf dem Gedenkfriedhof befinden sich 28 Einzelgräber, darunter:
- 5 Gefangene, die bei einem Fluchtversuch erschossen wurden,
- 2 Personen, die durch Erstickung starben,
- 1 Person, die versehentlich erschossen wurde (möglicherweise der Vater von Michael Rainer),
- 4 Opfer eines Vaters, der seine Familie und sich selbst tötete,
- 3 Personen, die in der Drau ertranken,
- 5 Offiziere, die sich während ihrer Übergabe an die Sowjets am 29. Mai das Leben nahmen,
- 5 Kosaken, die tot aufgefunden wurden, nachdem sie sich im nahegelegenen Land versteckt hatten.
Eine unbekannte Anzahl von Kosaken (vermutlich drei) nahm während der Zugreise in das sowjetische Gebiet ihr Leben.
Historischer Hintergrund
Auf Befehl Stalins wurden nach ihrer Rückkehr in die Sowjetunion viele emigrierte Kosaken, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, verfolgt und getötet.
Der Friedhof als Ort der Erinnerung
Seit 1946 gedenken ehemalige Kriegsteilnehmer, Angehörige, Auslandskosaken sowie die Bevölkerung von Lienz und Umgebung der Opfer der Kosakentragödie vom 1. Juni 1945.
Durch die jährlich stattfindenden Gedenkfeiern entwickelte sich der Kosakenfriedhof zu einem Ort des stillen Erinnerns und des Gebets.
Im Jahr 1983 wurde der Friedhof neu gestaltet.
Die dabei entfernten Namensschilder wurden 2024 von unserem Verein dem Österreichischen Schwarzen Kreuz (ÖSK) übergeben und sind heute in der Kapelle angebracht.


