Ataman Alexei Kelin Kosakenverein Gedenkveranstaltung 2026

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kosaken, liebe Gäste!

Leider erlaubt es mir mein Gesundheitszustand in diesem Jahr nicht, persönlich nach Lienz zu kommen, um gemeinsam mit Ihnen am Ort der Tragödie der Kosaken zu beten, Brüder und Schwestern zu treffen und über die Möglichkeiten einer Wiederbelebung der Traditionen unserer Vorfahren zu sprechen.

Im Jahr 1918 erhoben sich unsere Vorfahren, um die Heimat der Kosaken, ihre Freiheit, ihren Glauben und ihr Gewissen gegen das bolschewistische Regime zu verteidigen. Ihre Entscheidung war eine Entscheidung für Ehre, Würde und Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen.

Leider hat sich die Lage seit 1945 nicht grundlegend zu unseren Gunsten verändert. Die internationale Politik wird noch immer vielfach von Machtinteressen und finanziellen Einflüssen bestimmt. So wurde die Tragödie von Lienz überhaupt erst möglich. Auch heute kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Welt erneut vor einer gefährlichen Spaltung steht – zwischen Kräften, für die die Freiheit der Völker, die historische Wahrheit und die Würde des Menschen keinen wirklichen Wert besitzen.

Doch die schlimmste Entscheidung wäre es, aufzugeben und der Hoffnungslosigkeit nachzugeben.

Mein Vater sagte immer zu mir: „Wer Gemeinheiten und Unrecht sieht und dazu schweigt, macht sich mitschuldig.“ Deshalb bleibt uns keine andere Wahl, als alles zu tun, um die tragischen Entwicklungen, die das Schicksal der Kosaken bedrohen, aufzuhalten. Dafür müssen wir aus der Geschichte lernen und dürfen die Fehler nicht wiederholen, die uns in die heutige schwierige Lage geführt haben.

Die heutigen Erben der sowjetischen Sicherheitsstrukturen setzen ihre zerstörerische Politik fort und bekämpfen die unabhängige kosakische Tradition mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. Sie versuchen, die echten Kosaken durch künstlich geschaffene Strukturen zu ersetzen. Dabei greifen sie auf alte Prinzipien zurück: divide et impera – „teile und herrsche“ – sowie panem et circenses – „Brot und Spiele“. Geschichtsfälschungen werden verbreitet, Hass wird geschürt, und das Bild der Kosaken wird für politische Propaganda missbraucht.

Die wahren Kosaken haben die schwersten Zeiten dank ihres Freiheitsgeistes, ihrer Unabhängigkeit, ihrer gegenseitigen Unterstützung und ihrer Solidarität überstanden. Genau davor fürchten sich Diktaturen, die keine freie Gesellschaft wollen, sondern eine gehorsame und leicht kontrollierbare Masse.

Der mächtige Staatsapparat investiert enorme Mittel in die Zerstörung des kosakischen Geistes. Doch wie es heißt: „Die Wahrheit liegt nicht in der Macht, sondern die Macht liegt in der Wahrheit.“ Unsere wichtigsten Waffen sind die Wahrheit, das historische Gedächtnis und die Treue zum Vermächtnis unserer Vorfahren.

Besondere Anerkennung gebührt Wladimir Petrowitsch Melichow für seinen Beitrag zur Bewahrung dieser Erinnerung. Dank seines starken Charakters, seines unermüdlichen Einsatzes und der Unterstützung seiner Familie wurden zwei Gedenkmuseen geschaffen sowie zahlreiche Dokumente, Bücher, Erinnerungsstücke und Gegenstände aus dem Alltag unserer Vorfahren gesammelt. Diese Materialien helfen den Menschen, die Geschichte der Kosaken und die Verfolgungen durch das bolschewistische Regime besser zu verstehen.

Die Geschichte der Museumsanlagen in Jelanskaja und bei Podolsk sowie die Versuche, diese zu zerstören, sind inzwischen weit über die Grenzen Russlands hinaus bekannt. Auch die Kapelle in Lienz wurde maßgeblich durch das Engagement von Wladimir Petrowitsch ermöglicht. Deshalb ist es besonders wichtig, die Erinnerung an seine Arbeit ehrlich zu bewahren und seine Verdienste nicht anderen zuzuschreiben.

Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, Entwicklungen zu verhindern, die zur Zerstörung der authentischen kosakischen Tradition führen könnten. Wir müssen die Spaltung innerhalb der kosakischen Gemeinschaft durch einen konstruktiven Dialog überwinden – ohne Feindseligkeit, Hass und gegenseitige Zerstörung. Es ist unsere Pflicht, das historische Gedächtnis und wertvolle Dokumente für kommende Generationen zu bewahren.

Von besonderer Bedeutung ist die digitale Sicherung historischer Dokumente, damit sie Menschen auf der ganzen Welt zugänglich bleiben. Elektronisch archivierte Dokumente sind wesentlich schwieriger zu vernichten, zu verbergen oder zu beschlagnahmen.

Die Zusammenarbeit mit dem Museum des Kosakenwiderstands, auch bekannt als Museum des antibolschewistischen Widerstands, sollte fortgeführt werden. Außerhalb der Russischen Föderation leistet Jewgeni Nikolajewitsch Martynjuk, Vertreter des Don-Atamans für Deutschland und Österreich, wichtige Arbeit bei der Sammlung, Digitalisierung und Weitergabe historischer Dokumente.

Mein besonderer Dank gilt außerdem der Lienzer Gedenkstättengesellschaft, Anthony Schlega sowie dem Schwarzen Kreuz für ihre langjährige Pflege des Kosakenfriedhofs und der Kapelle. Ihre Arbeit ist weit mehr als die Betreuung einer Gedenkstätte. Sie ist ein Dienst an der Erinnerung, an der Wahrheit und an der Würde des Menschen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Lienz ist nicht nur ein Ort der Trauer. Es ist ein Ort des Gedenkens, des Gebets und unserer moralischen Verantwortung. Solange wir uns an die Verstorbenen erinnern, solange wir die Wahrheit, Wahrheit nennen und Verrat, Verrat, lebt der Geist der Kosaken weiter.

Möge die Erinnerung an die Opfer der Tragödie von Lienz uns in Glauben, Mut und Zusammenhalt stärken. Möge die Wahrheit über das Schicksal der Kosaken bewahrt und an die kommenden Generationen weitergegeben werden. Und möge der freie Geist der Kosaken niemals gebrochen werden.

Ewiges Gedenken den unschuldig leidenden und ums Leben gekommenen Kosaken, Frauen, Ältesten und Kindern.

Ehre allen, die die Wahrheit, den Glauben und die Würde der Kosaken bewahren.

Mit Respekt

Ataman VVDZ

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