Michael Rainer zog mit seinen Eltern Elena Borokovnova und Nikolei Michailowitsch sowie Tausenden anderen Kosaken im Jahr 1945 auf der Flucht zunächst Richtung Friaul in Italien. Auf diesem Teil des Weges waren sie mit der Eisenbahn unterwegs, bis der Zug wegen Fliegeralarms auf offener Strecke anhalten musste und alle hinausstürzten. Michael rutschte dabei den Bahndamm hinunter, woraufhin sich Elena, seine Mutter, schützend über ihn warf.
Später führte ihr Weg über den Plöckenpass nach Lienz, wo sie schließlich ankamen. Es war eisigkalt. Rund eine Woche lang war Michael unterwegs – gemeinsam mit Pferden, Kühen und sogar Kamelen. Sein Bauch war damals aufgebläht, da der Hunger groß war; nur schwarzer Tee und einige Kekse gelangten in seinen Magen. Geschlafen wurde in großen, überdachten Leiterwägen.
Irgendwo über dem Plöckenpass brachte seine Mutter Elena das zweite Kind zur Welt. Sie verstarb im Wochenbett. Beide wurden auf dem Friedhof in Laas, Kärnten, beerdigt. Im offenen Sarg, eine Holzkiste, trugen die Orthodoxen sie zu Grabe. Elena war mit einem weißen Tuch bedeckt, nur ihr Kopf war frei. Weiße Blumen wurden auf sie gelegt, ebenso Erde. Danach senkte man Mutter und Kind hinab ins Grab.
Elena war deutschstämmig und hatte Michael einiges beigebracht. Sein wenig Deutsch hat ihm das Leben gerettet. Michaels Vater wurde am 1. Juni 1945 in Peggetz getötet, als er von einer Kugel getroffen wurde, während er Michaels Hand hielt.
Nach der Tragödie, als er bei der Familie Meixner untergebracht wurde, musste für ihn eine offizielle Geburtsurkunde ausgestellt werden. Da sein genaues Geburtsdatum unbekannt war, schätzte ein Amtsarzt sein Alter auf fünf Jahre. „der schaute mir in den Mund wie bei einem Rosshandel.“ Auf dieser Grundlage wurde ein neues Geburtsdatum festgelegt: der 2. Juni 1941 – nur einen Tag nach dem Tod seines Vaters und “ Das war der tag, an dem, ich zum Meixner kam.“
Michael Rainer wurde 29 September 1940 in Odesa (Ukraine) geboren und verstarb am 17 November 2025 in Lienz.
Ewige Erinnerung