Der Verein
Aktueller Vorstand:
Obmann: Anthony Schlega
Obmann-Stv: Eugen Issak-Martinyuk
Schriftführer: Martina Schlega
Schriftführer-Stv: Natalia Stenzenberger
Kassier: Natalia Stenzenberger
Kassier-Stv: Igor Zolotarev
Ehrenmitglieder:
Ehren-Obmann Michael Rainer † 17.11.2025
Ehren-Obfrau Charlotte Botscharow
Don Ataman Alexej Kelin
Professor Anatol Shmelev
Frau Natalia (Poljakow) Stenzenberger
Hermann Hotter (ÖSK Tirol ehm. Ehren Präsident)
Vereinspfarrer: Erzpriester Alexey Lebedev
Statuten des Vereins
Die Statuten (Satzung) unseres Vereins geben wir allen Interessenten gern zu Kenntnis. Sie können die Statuten hier herunterladen.
Geschichte des Vereins
Laut Akten der Bezirkshauptmannschaft Lienz wurde am 11. Januar 1957 von überlebenden Kosaken ein Verein gegründet. Der Donkosake Iwan Tschongow war von 1957 bis 1988 der erste Vorstand bzw. Obmann. Im November 1988 wurde Alexander Botscharow zum Obmann (Stv. Johann Kosolowsky) gewählt. Ab Mai 1998 führte er den Verein praktisch allein mit seiner Gattin Charlotte bis einschließlich 2006.
Am 1. Juni 2006 wurde der Verein „Vereinigung der Teilnehmer des Kosakenlagers an der Lienzer Tragödie vom 1. Juni 1945“ in „Verein zum Gedenken an die Kosakentragödie vom 1. Juni 1945“ umbenannt. Michael Rainer wurde zum Obmann gewählt (Stv. Sonja Walder) und Alexander Botscharow zum Ehrenobmann ernannt.
Ein Grund für die Umbenennung und Reorganisation des Vereins war ein Generationenwechsel. Die immer weniger und älter werdenden Überlebenden legten die Verantwortung für die Erinnerungsarbeit in jüngere Hände. Über Jahrzehnte hatten überlebende in der Region verbliebene Kosaken sich gegen das Vergessen engagiert. So bemühten sich unter anderem folgende Kosaken um den Friedhof in der Peggetz: Iwan Gordijenko, Kusamas Kostramin, Daniel Kolomejc. Das Gedenken war aber von Anfang an ein gemeinsames Gedenken von Kosaken, Osttirolern, deutschen und österreichischen Veteranen.
Die erste Gedenkenfeier an die Kosakentragödie, 1946
Gedenkfeier mit dem Ataman der Donkosaken Iwan Alekseevich Polyakoff, 1949
Lienz Jahrgang unbekannt
Kosakenfriedhof 1950
Kosakenfriedhof 1955
Gedenkfeier in den 60er Jahren
Gedenkfeier 1974
Vater Paldi Dubitsky Ukrainian Autocephalic Orthodox Church (München UAOC) 1985
Foto von 1986. Vater Paladi Dubitsky wurde am 5.1.1911 in Polytsi/Wolyn geboren und starb am 26.2.1998 in München. Ewige Erinnerung.
die Vorsitzenden:
Iwan Tschongow Obmann von 1957 bis 1988
Links: Alexander Botscharow Obmann 1988 bis 2006 mit Michael Rainer Obmann 2006 bis 2016
Der Generationenwechsel wurde mit den Neuwahlen auf der Jahreshauptversammlung 2016 fortgesetzt. Das „einstige Kosakenkind“
Michael Rainer wurde zum Ehrenobmann ernannt.
Dr. Harald Stadler wurde Obmann von 2016 bis 2023
Anthony Schlega übernahm im Jahr 2023 den Vorsitz.
Vielleicht fragen sich viele unserer Mitglieder, wie ausgerechnet ein Engländer Vorsitzender des Lienzer Gedenkvereins wurde, der an die Geschehnisse erinnert, die durch die britische Armee ausgelöst wurde, unter dem militärischen Namen „Operation Keelhaul“, mit dem Ziel der Auflösung des Kosakenlagers und der Übergabe der unglücklichen Menschen an die Sowjetarmee. Nach einem hinterhältigen Täuschungsmanöver kam es zu jenen gewaltsamen Geschehnissen die bekannt wurden als „Die Tragödie an der Drau“.
Mein Vater, diente unter Generalleutnant Andrei Shkuro als Teil seiner Reservetruppe im Kampf gegen die jugoslawische Armee in der Gegend, die als Alt-Slowenien bekannt war und in Richtung Klagenfurt vorrückte. Nachdem die Kämpfe beendet waren, verbrannte Tato zusammen mit seiner Gruppe alle Ausweispapiere und alles, was sie als „Ukrainer“ oder als Bürger anderer sowjetischer Satellitenstaaten identifizieren konnte.
Es gelang ihm, in die Stadt Villach zu erreichen, wo er bei einer Baufirma arbeitete, die Trümmer beseitigte und bombengeschädigte Gebäude reparierte. und es gelang ihm sogar, ein eigenes Zimmer in einem Gebäude zu bekommen, das noch heute existiert.
Unglücklicherweise für meinen Vater errichtete die britische Armee in der Nähe des Gebäudes ein Lager für „ausländische“ Agenten, und ohne Ausweispapiere dauerte es nicht lange, bis mein Vater als Kriegsgefangener interniert wurde.
Erst nach der heldenhaften Tat des friedlichen Widerstands am 1. Juni 1945 durch das Kosakenlager in Peggetz bei Lienz, bei der viele das ultimative Opfer brachten, beschloss die britische Armee unter der Kontrolle des Roten Kreuzes, vorübergehend seinen Kurs zu lockern und ihre Misshandlungen an den sowjetischen Flüchtlinge vorübergehend auszusetzen.
Der Akt des friedlichen Widerstands der Kosaken in Lienz rettete meiner Meinung nach, nicht nur meinen Vater, sondern auch viele andere wie ihn davor, nach UdSSR zwangsweise zurückkehren zu müssen, und sich dem schrecklichen Schicksal zu stellen, das sie in einem Gulag erwarten würde.
Einige Zeit später wurde Tato vom Lager Villach in das Vertriebenenlager Kapfenberg verlegt, wo er blieb, bis er im Juli 1947 im Rahmen der Militäroperation „Westward Ho!“ in eine Arbeitskolonie nach England aufgenommen wurde, um beim Wiederaufbau Englands zu helfen.
Iwan Tschongow
(8.8.1908, Tarnopol – 2.2.1988, Lienz)
Iwan Tschongow wurde als Don-Kosake in Tarnopol geboren. Im Zweiten Weltkrieg gehörte er jenen Kosakeneinheiten an, die unter General Domanow über den Plöckenpass nach Osttirol in den Raum Lienz–Tristach gelangten. In Lienz lebte er viele Jahrzehnte und wurde zum Gründer jener Kosakengruppe, aus der später unser heutiger Verein hervorging.
In den frühen Jahren bestanden zeitweise parallele Zusammenkünfte verschiedener Kosakengruppen, die ihre Gedenkfeiern getrennt abhielten. Diese organisatorischen Unterschiede hatten historische Gründe und spiegelten die Vielfalt der damaligen Gemeinschaft wider. Unser heutiger Verein setzt die von Iwan begründete Tradition der unabhängigen Erinnerungskultur fort.
Iwan hat es nie verwunden, dass er seine geliebte Heimat nie wiedersehen konnte.
Die Kosaken-Novelle von Professor Lorenz Mack und das Hörspiel dazu, könnte man glauben, wären eigens für Iwan Tschongow geschrieben und gespielt worden.
Alexander Botscharow
(4.2.1927, Rostow am Don – 16.8.2011, Klagenfurt)
Alexander Botscharow wurde als Don-Kosake in Rostow am Don geboren und gehörte zu den wenigen Überlebenden der Kosakentragödie vom 1. Juni 1945. Als junger, sportliche Kosak gelang ihm durch einen Sprung in die Drau die Flucht an das gegenüberliegende Ufer; anschließend hielt er sich in den Wäldern rund um Lienz verborgen.
Über mehr als zwei Jahrzehnte führte er gemeinsam mit seiner Frau Charlotte, den „Verein der Überlebenden der Kosakentragödie vom 1. Juni 1945 in Lienz“ und betreute in dieser Zeit mit großem Engagement die jährlichen Gedenkfeiern am Kosakenfriedhof. Nach der Neugründung des heutigen „Vereins zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie vom 1. Juni 1945“ wurde er zum Ehrenobmann ernannt und blieb eine bedeutende Zeitzeugen- und Vertrauensperson in der historischen Aufarbeitung.
Alexander Botscharow verstarb am 16. August 2011 im 85. Lebensjahr in Klagenfurt und wurde am 19. August am Friedhof Annabichl unter Teilnahme vieler kosakischer Freunde beigesetzt.
Michael Rainer
(29.9.1940, Odesa – 17.11.2025, Lienz)
Michael Rainer war eines der sogenannten „Lienzer Kosakenkinder“. Im Alter von fünf Jahren floh er 1945 mit den Kosaken über den Plöckenpass nach Lienz. Auf dem Weg verlor er seine Mutter und sein neugeborenes Geschwisterkind. Am 1. Juni 1945 wurde auch sein Vater während des britischen Angriffs auf die betenden Kosaken erschossen.
Michael wurde anschließend von einer Osttiroler Bauernfamilie aufgenommen und wuchs in Tristach auf. Nach seiner Ausbildung arbeitete er viele Jahre in der Schweiz und später in Deutschland. Die traumatischen Erlebnisse seiner frühen Kindheit begleiteten ihn ein Leben lang; erst durch therapeutische Unterstützung fand er inneren Frieden.
Nach seiner Rückkehr nach Osttirol widmete er sich mit großem Engagement der Aufarbeitung der Lienzer Kosakengeschichte. Von 2006 bis 2016 war er Obmann des Vereins zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie und wurde anschließend zum Ehrenobmann ernannt.
Für seine vollständige Lebensgeschichte besuchen Sie bitte die Unterseite Kosakenfrauen in Lienz.
Prof. Dr. Harald Stadler
(6.3.1959, Lienz)
Archäologe und Experte für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie in Westösterreich. Von 2016 bis 2023 Obmann unseres Vereins zum Gedenken an die Lienzer Kosakentragödie, engagierte er sich besonders für die Bewahrung der Geschichte der Kosaken in Lienz.



